Sonntag, 3. November 2019

quote of A.H. Causa on ARTISTIC PARTISANSHIP

Quote by art historian A. H. Causa
from a lecture held in Channel N°178 Art Space in Amsterdam on June 5. 2019 


Not long ago exhibition world, art schools and in art itself seemed to imply, that all forms of ideology might be criticized, examined and sometimes even dissected ironically. Obviously this is all over. No fictional open space is left for artists to operate sovereignly; What is left is the criticism of “the other ideology” which may strengthen the own positioning in a antipodal apparatus. Therefore for present and future the question arises how artistic partisanship will develop and what it means for art.


















Vor noch nicht langer Zeit, schien in Ausstellungsbetrieb, in Kunsthochschulen und wohl auch in der Kunst selbst der unausgesprochene Konsens zu bestehen, dass alle Formen von Ideologien von dort aus kritisiert, untersucht und überprüft und nicht selten auf ironische Art seziert werden konnten. Das ist offensichtlich vorbei. Es gibt diesen fiktiven offenen Raum nicht mehr, von dem aus Künstlerinnen und Künstler souverän agieren, sie können nur noch „die andere Ideologie” angreifen und beziehen dafür Position in der „eigenen“, die sich dadurch mehr und mehr manifestiert. Deshalb schliesst sich für Gegenwart und Zukunft die Frage an, wie sich künstlerische Parteinahme entwickeln wird und was diese für Kunst bedeuten wird..





Donnerstag, 4. April 2019

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Irrungen,Wirrungen Friedrich Meschede 
Holger Bunk erhält 2015 eine Einladung zu einer Ausstellung im Kunstraum Neuruppin. Diese Stadt im Norden von Berlin ist nicht nur durch Theodor Fontane bekannt geworden, auch und besonders als Produktionsstätte des sogenannten «Neuruppiner Bilderbogens». Diese sogenannten Einblattdrucke waren im 18. und 19. Jahrhundert besonders beliebt. Sie konnten belehren oder auch nur unterhalten oder als Dekor verstanden werden, weil man sich «hohe» Kunst nicht leisten konnte. Dadurch wurden sie zum Sammelobjekt. In den bildreichen Bogen wurden verschiedene Themen populär zur Darstellung gebracht, der Neuruppiner Bilderbogen war ein enzyklopädisches Medium, um auf einfache wie eindrucksvolle Weise die Welt zu erklären. Sie stellen in schematischer Übersicht die Welt der Pflanzen, der Früchte, der Tiere, der Mineralien dar, Landschaften wurden in ihrer typischen Weise vorgestellt, weil das Reisen noch nicht möglich war, regionales Brauchtum wurde vermittelt, Märchen oder Moralisches in Szenen erzählt, kurz: diese Drucke waren anschaulich und beliebt, kamen in Schulen zum Einsatz oder auch als Flugblatt, wenn z.B. ein Bogen zum Deutsch- Französichen Krieg 1870/71 in einer Auflage von fast 2 Millionen Exemplaren gedruckt worden sein soll. 
Vor diesem Hintergrund beginnt Holger Bunk die Arbeit an «Irrungen,Wirrungen», einem so betitelten Text von Theodor Fontane mit einem Zitat aus diesem Roman. Das Buch ist im 6. Blatt der Serie als gelbes Reklamheft zitiert, kombiniert mit einem Barcode, der, einmal gescannt, den Nut­zer zu einem Text von Holger Bunk über Malerei führt, der seinerzeit Grundlage einer Vorlesung an der Akademie in Stuttgart war (Anmerkung: „Kathedrale und Bierdeckel – Gefälle zwischen Malerei und Illustration?" ein älterer Post, weiter unten auf diesem blog). Bunk konzipiert eine Arbeit bestehend aus mehreren Blättern, beginnend damit, das auf je­ dem Blatt ein Wort des Satzes von Fontane steht. 
Ebenfalls 2015 besucht Holger Bunk die Kunsthalle Bielefeld, um die damals stattfindende Ausstellung «Serendipity – Niklas Luhmann, Ulrich Rückriem, Jörg Sasse » zu besuchen. In dieser Ausstellung wurde der Zettelkasten von Niklas Luhmann erstmals öffentlich ausgestellt und in der Auseinandersetzung mit Luhmann stößt Holger Bunk auf einen Satz aus Luhmanns Schriften zur Kunst und Kultur, den er nun dem Satz von Fontane zuordnen will. Es treffen zwei ganz gegensätzliche literarische Stile aufeinander, dem romantischen Fontane­ –Zitat wird nun das analytische Luhmann­–Zitat gegenübergestellt. So finden sich nun zwei Wörter auf je einem Blatt der Bildserie, die sich in ihrer Konstellation aus dem Zufall der Überlagerung ergeben. Am Anfang und Ende der Bildfolge steht ein Ganzfiguren- porträt des Autors, bevor die beiden Sätze zitiert werden. Die Logik der gelesenen Sätze gibt damit die Anordnung der Bilder vor. Fontane liest man oben mit roten Buchstaben, Luhmann in blauer Schrift darunter. Aufgrund der Tatsache, dass der Luhmann­–Satz mehr Wörter enthält als derjenige von Fontane er­ gibt es sich, das Blatt zwei und drei der ers­ten Worte von Luhmann keine Korrespondenz zu Fontane aufweisen. Um diesen Gestaltungsvor­gang biblisch zu begründen: Am Anfang stand das Wort. 
Bei der Erfindung/ Findung der bildneri­schen Elemente lässt sich Holger Bunk fortan von den Assoziationen leiten, die durch die Begriffe ausgelöst werden. Ein prägnantes Beispiel sei mit dem Begriffspaar «Ehrlichkeit/Rede» des 30. Blat­tes genannt, dem Bunk aus der Erinnerung ein historisches Foto des Eichmann­–Prozesses der 1960er Jahre in Jerusalem zuordnet. Im Blatt 4 mit dem Begriff «Medium» stellt Bunk in comicar­tiger Weise die Herstellung eines Bilderbogens dar, er illustriert die Vervielfältigung als solche. Mit Blatt 26 «Was/man» nimmt er Bezug auf den Ort, indem er die Fassade des Geburtshauses von Theodor Fontane darstellt, die Fassade des Gym­nasiums, das dieser Sohn der Stadt besucht hat und schließlich die Kirche von Neuruppin, um in dieser eigenwilligen Stadtvedute die Wahrzeichen des Ortes wie in einer Ansicht aus Bühnenvorhän­gen hintereinander gestaffelt zusammen zu zeigen. 
Markant ist noch Blatt 32 mit dem Begriffspaar «Freiheit/akustisch», weil hier der Comicstil der französischen Zeitschrift Charlie Hebdo zu erkennen ist und Bunk damit ein Datum aufgreift, das sich auf die Terroranschläge von Paris im Januar 2015 bezieht. 
Diese Beispiele mögen genügen um zu belegen, wie spontan assoziativ einerseits, aber auch konzeptuell zitierend andererseits Holger Bunk diese Bildserie «Irrungen,Wirrungen» gestal­tet hat. Es ist ein aktueller Bilderbogen zeitgenös­sischer Art entstanden, der auch beispielhaft für die Bilderflut heutiger Medien steht, in denen wir uns täglich zurechtfinden müssen. In «Irrun­gen,Wirrungen» mischt Bunk stilistische Vielfalt und er wechselt auch die Darstellungstechniken, er arbeitet mit Pastellkreide, dem Zeichenstift oder er aquarelliert die Motive, die eben Bildzitate sind oder frei erfundene Figurationen, die allesamt aus dem Bildarsenal des Künstlers stammen, das permanent sortiert werden will. 















































 







 

 

 










Mittwoch, 3. April 2019

Irrungen Wirrungen (title from Theodor Fontane´s 1917 novel "Trials and Tribulations")

Irrungen Wirrungen Holger Bunk´s series of paintings on paper from 2016/17
at Kunsthalle Bielefeld 2018

























Irrungen Wirrungen –"Trials and Tribulations"
Friedrich Meschede
translation Gitta Bertram

In 2015 Holger Bunk received an invitation to an exhibition in Kunstraum Neuruppin. This city to the north of Berlin is not only famous because of Theodor Fontane, but also and especially as the production site of the «Neuruppiner Bilderbogen». These coloured broadsheets were especially popular in the eighteenth and nineteenth centuries. They could teach or simply entertain, or they could be understood as decoration because «fine» art was not commonly affordable. In this way they became collectibles. Various topics were visualised in the popular broadsheets full of images. The “Neuruppin Bilderbogen” was an encyclopaedic medium that explained the world in easy but memorable ways. The prints introduced the world of the plants, fruits, animals, minerals in schematic overviews; typical landscapes were shown as travelling was not possible; regional traditions were conveyed; fairy tales or moral stories told in short scenes. In short: these prints were visually appealing and popular and were used in schoolrooms or as flyers. A broadsheet concerning the Franco-Prussian War 1870/71, for instance, was allegedly printed in an edition of almost two million prints.

This is the background for Holger Bunk's work «Irrungen Wirrungen», which takes its title from a novel by Theodor Fontane and uses a quotation from it. [Translator's note: The title means "errors and confusions" in a very literal sense; the novel by Fontane was translated as Trials and Tribulations (1917), A Suitable Match (1968), and On Tangled Paths (2010).] The book itself is referenced on the sixth sheet in the form of a yellow Reclam paperback, combined with a QR code. If scanned, it leads the user to an essay on painting by the artist himself,  originally held as a lecture at the Academy of Fine Arts in Stuttgart and now published on the blog channelno178.blogspot.de.  Bunk has devised his work as a series of sheets, each beginning with a word from Fontane's quotation.

Also in 2015 Bunk visited Kunsthalle Bielefeld in order to see the exhibition «Serendipity - Niklas Luhmann, Ulrich Rückriem, Jörg Sasse». In this exhibition Luhmann’s famous slip box was exhibited for the first time. Reading Luhmann's writings on art and culture, Bunk chanced upon a sentence which he now wants to assign to Fontane's sentence. Two opposed literary styles are thus brought together: the romantic Fontane quotation is juxtaposed with the analytical Luhmann excerpt. This results in two words on each sheet of the series, their constellation arising from the coincidence of their superimposition. At the beginning, before quoting the two sentences, and at the end of the series the artist placed full-length self-portraits.


The logic of the sentences dictates the order of the images. Fontane is noted on the top of the page in red, Luhmann’s words beneath in blue. As the sentence by the sociologist consists of more words than that by Fontane, sheets two, and three of Luhmann’s sentence have no corresponding words by the romantic novellist. In order to give a biblical reason for this artistic process: in the beginning was the word.

Irrungen Wirrungen 2016/17, 36 sheets of paper, ca 57x78 cm each





















Henceforth, Holger Bunk lets himself be guided by the associations triggered by the words in his invention or discovery of visual elements. A striking example is the pair of terms on the thirtieth sheet, «Ehrlichkeit/Rede» (honesty/speech), which Bunk collates with the drawing of a historic photograph of the Eichmann trial in Jerusalem 1961. In sheet four with the term «Medium» Bunk shows the printing of a broadsheet in a cartoon-like manner. He thus illustrates reproduction as such. In sheet 26, «Was/man», he refers to the city by displaying the façades of Theodor Fontane's birthplace, of the high school this city's important son visited, and finally of Neuruppin's church; in this idiosyncratic veduta of Neuruppin, the artist shows its landmarks visualised on the page like successive theatrical backdrops.

Sheet 32 is equally striking with its pair of terms «Freiheit/akustisch» (freedom/acoustic); in this sheet the distinctive cartoon style of the French satirical magazine Charlie Hebdo is recognisable, thus referring to the Paris terrorist attacks in 2015.


These examples may suffice to prove that Holger Bunk's visual series «Irrungen Wirrungen» works in two dimensions: on the one hand it is spontaneously associative, but on the other it refers to a multitude of issues beyond Neuruppin and Fontane in a highly planned and conceptual manner. He has created a contemporary broadside exemplary for the flood of images present in today's media in which we daily have to find our ways. Similarly, Bunk mixes a great variety of styles and techniques in «Irrungen Wirrungen»: he works with pastels, the pencil or watercolours, and creates motifs from his personal image archive–itself in constant need of restructuring– be they visual quotations of other sources or invented figurations.























Text lines in in the series "Irrungen Wirrungen":

>> Theodor Fontane 1819 – 1898, novellist and journalist
Irrungen, Wirrungen, novel, German edition from 1888
Chapter 23. ; Quote from the novels figure Rexien
German edition in:  Reclam XL  page165 = red text:

„……Ich sehne mich nach einfachen Formen, nach einer stillen natürlichen Lebensweise, wo das Herz zum Herzen spricht und wo man das Beste hat, was man haben kann, Ehrlichkeit, Liebe, Freiheit……“


>> Niklas Luhmann  1927 – 1998  sociologist 

Schriften zu Kunst und Literatur
Ed. Niels Werber. Frankfurt am Main 2008, Suhrkamp Verlag Wissenschaft, page 128 = Blue text:

…..Im Medium der alphabetischen Schrift kann die Sprache ihre eigene Funktion als Medium ausweiten, sie kann optisch zu neuen Kombinationen angeregt werden, auf die man bei der mündlichen Rede, also akustisch nicht verfallen würde


Donnerstag, 21. Februar 2019

Zum Rundgang der HGB in Leipzig – eine umfangreiche Diskussion in der Hochschule

















Die Wirtschaftliche Situation in Deutschland, und spezifisch in Sachsen, hat dazu geführt dass die HGB-Leipzig die Finanzielle und Strukturelle Aktuelle Lage nicht mehr akzeptiert und dagegen manifestieren wird. — Das “Rundgang” des HGB wird dieses Jahr anders aussehen und als Manifest werden wir heute um 17:00 Uhr die Aktuelle Webseite der HGB runterfahren und mit eine neue Plattform ersetzten. Diese Neue Platform dient das Debatte öffentlich zu machen und zu dokumentieren. Jeder kann sich mitteilen.

Es würde mich sehr interessieren wenn diese Diskussion an Input gewinnt, und ich lade euch ein, teilzunehmen, oder das E-mail an eure Studierenden, Klassen weiterzuleiten. Die sind letztendlich die Betroffene und sollen unbedingt Zugang finden und mit debattieren.
Danke im voraus
Beste Grüsse aus Leipzig
Ludovic

***english version below***

Liebe Lehrende, liebe Studierende an Kunst- und Musikhochschulen,
heute eröffnet der Rundgang der Hochschule für Grafik und Buchkunst / Academy of Fine Art Leipzig (HGB) unter dem Titel „Jetzt:“ (bis 17.02.). In diesem Jahr verzichten die Studierenden auf die Präsentation ihrer Werke und schaffen damit Raum für eine kollektive Aktion zur Forderung besserer finanzieller und struktureller Rahmenbedingungen für die HGB. Dazu finden Sie anbei unsere Pressemeldung und ein Flugblatt mit den genauen Fakten und unseren Forderungen. Ateliers und Klassenräume werden leergeräumt und geöffnet sein, Lehrende und Studierende sind anwesend und laden zu Aktionen und Diskurs ein.

Wir möchten diesen Dialog über den Rundgang hinaus für eine größere Öffentlichkeit öffnen. Die jetzige Situation an der HGB Leipzig stellt, aus wirtschaftlicher, politischer und kultureller Perspektive, auch die Frage der Notwendigkeit und Rolle von Kunstakademien innerhalb unserer Gesellschaft. Diese Fragestellung scheint uns sehr aktuell, wichtig und von gesellschaftlicher Bedeutung. Deshalb brauchen wir auch Ihre/ Eure Stimme:
Unter www.hgb-leipzig.de kann jede*r während der Zeit des Rundgangs (ab heute 17:00 Uhr bis Sonntag 20 Uhr) Fragen, Statements und Kommentare posten, die nach einem angekündigten Zeitplan von Mitgliedern der HGB beantwortet werden.

Wir laden Sie herzlich ein, sich an dieser wichtigen Diskussion zu beteiligen: Solidarisieren Sie sich, rufen Sie unsere Seite auf, stellen Sie Ihre Fragen und/oder schildern Ihre Sichtweisen zu Instrumenten der Hochschulsteuerung wie Zielvereinbarungen und deren Auswirkungen auf die Situation an Kunst- und Musikhochschulen.

Vielen herzlichen Dank und schöne Grüße aus Leipzig
Anne Dietzsch, Lars-Ole Bastar, Louis Hay, Ludovic Balland, Redaktionsteam und Projektleiter der Aktion "Jetzt: Online" auf der Website der HGB Leipzig

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Dear teachers, dear students of art and music academies,
Today, the annual tour of the Academy of Fine Arts Leipzig (HGB) opens under the title "Jetzt:" ("Now") (until 17.02.). This year, the students refrain from presenting their works and thus create space for a collective action to demand better financial and structural conditions for the HGB. Please find attached our press release and a leaflet with the exact facts and our demands. Ateliers and classrooms will be empty and open, teachers and students will be present and invite to actions and discourse.

We want to open this dialogue beyond the tour to a wider public. The current situation at the HGB Leipzig, from an economic, political and cultural perspective, also raises the question of the necessity and role of art academies within our society. This question seems to us very topical, important and of social significance. That's why we need your / your vote:
At www.hgb-leipzig.de, anyone can post questions, statements and comments during the tour (starting at 5 pm to Sunday 8 pm), which will be answered by members of HGB according to an announced timetable.

We cordially invite you to participate in this important discussion: Solidarise yourself, visit our site, ask your questions and / or describe your views on higher education governance tools, such as goal-setting and their implications for the arts and human resources situation music academies.

Many thanks and best regards from
Anne Dietzsch, Lars-Ole Bastar, Louis Hay, Ludovic Balland, editorial team and project manager of the campaign "Jetzt: Online" on the website of HGB Leipzig